
ARTIKEL der Passauer Neuen Presse vom 15.05.2009
Bergung von Unfallopfern soll erleichtert werden - „Wertvolle Minuten gewinnen“ - Aufschneiden neuer Autos immer schwieriger

Feuerwehrleute schneiden bei einer Übung die Tür eines Fahrzeugs
auf, um das „Unfallopfer“ zu befreien. Sie könnten sicherer
arbeiten, wenn sie genau wüssten, wie jedes Auto konstruiert ist. (Foto:
dpa)
München. Der ADAC möchte alle Autos mit einer sogenannten „Rettungskarte“ ausstatten,
um bei schweren Unfällen die Arbeit der Rettungskräfte zu erleichtern.
Sind nach einem Verkehrsunfall Menschenleben in Gefahr, zähle jede Sekunde.
Vor allem bei schweren Unfällen müssten Eingeklemmte schnellstmöglich
aus dem Wrack befreit werden, erläuterte der Automobilclub gestern in
München. „Hier hilft die Rettungskarte.“ Sie soll nach den
Vorstellungen des ADAC in Zukunft griffbereit hinter der Fahrer-Sonnenblende
stecken. Wenn die Frontscheibe bei einem schweren Crash nicht ohnedies bereits
geborsten sei, könnten die Einsatzkräfte an diesem Platz dennoch
problemlos an die Karte kommen, ergänzte ein Sprecher.
Helfer, meistens Feuerwehrleute, erhielten so die wichtigsten Informationen über
das Unfallfahrzeug. „Vor allem müssen die Retter wissen, wo und
wie sie das verunglückte Auto aufschneiden müssen.“ Diese Informationen
lägen bisher meist nicht direkt am Einsatzort vor, heißt es in einer
Mitteilung des Clubs. Mit der vorgeschalgenen Rettungskarte in DIN-A-Format
verfügen Feuerwehren und andere Hilfsorganisationen nach Überzeugung
des ADAC über diese lebensrettenden Informationen.
Zwar verfügen manche Feuerwehren bereits über Datenblätter der
verschiedenen Fahrzeugtypen - im Notfall sind die Informationen jedoch häufig
nicht schnell genug verfügbar, zudem gibt es immer mehr verschiedene Fahrzeugtypen,
erklärt Alois Wieser, Kommandant der Feuerwehr Altötting und Kreisbrandinspektor.
Er begrüßt die Vorschläge des ADAC. „Es wäre sehr
hilfreich, wenn wir die Informationen sofort hätten.“ Das diene
auch der Sicherheit der Feuerwehrleute. So könne man etwa vermeiden, dass
die Zündpatrone eines Airbags beim Rettungseinsatz ausgelöst werde.
Auch wäre auf der Rettungskarte vermerkt, wo der Tank ist, wo der Airbag
und die Batterie und ob das Fahrzeug mit Erdgas betrieben wird.
Bei den neuesten Fahrzeugen hätten Rettungskräfte zudem das Problem,
dass der Fahrzeugrahmen so solide gebaut werde, dass ältere Werkzeuge
versagen, bzw. sie das Auto nur sehr langsam aufschneiden können. „Wenn
wir wüssten, an welcher Schnittkante die Geräte anzulegen sind, wären
wertvolle Minuten gewonnen“, sagte Wieser.
Auch Otto Ettinger, Kommandant der Feuerwehr Eggenfelden, hält die Rettungskarten
für eine gute Idee: „Je mehr Informationen desto besser.“ Die
solide Bauweise der neuen Fahrzeuge mache die Bergung immer schwerer. Die Feuerwehr
Eggenfelden hat kürzlich eine neue Rettungsschere angeschafft: Mit 110
Tonnen Schneidkraft habe man probeweise die Rohkarosse eines neuen 7er BMW
aufgeschnitten - mit älteren Geräten, wäre man da wohl an Grenzen
gestoßen, sagt Ettinger.
Franz Kreuzer jun., Kommandant der Feuerwehr Schwarzach (Markt Hengersberg),
sieht dagegen keinen Bedarf nach den Rettungskarten: Nach einem schweren Unfall
seien die Fahrzeuge meistens so deformiert, dass ein Plan nicht weiterhelfe.
- lm/lby